Roland Fantom

Viele Jahre hatte ich versucht und gehofft, einmal ein Instrument für einen der großen japanischen Hersteller zu gestalten. Einen ersten Anlauf nahm ich im Jahr 2000. Das japanische Pendant des Keyboard-Magazins publizierte einen ausführlichen Artikel zu meinen Arbeiten und ich nahm dies zum Anlass nach Japan zu reisen und dort auch einige Instrumenten-Hersteller zu besuchen. Unter anderem traf ich den Gründer und Geschäftsführer von Roland, Mr. Iketaru Kakehashi, der mir in einem langen Gespräch dazu riet, eine eigene Synthesizer-Firma zu gründen. Sein Interesse, intime Geheimnisse einer Produktentwicklung mit einem Designer aus Deutschland zu teilen, war eher gering.

Erst viele Jahre später lernte ich auf der Musikmesse in Frankfurt den Nachfolger von Mr. Kakehashi, Mr. Junichi Miki, kennen. Ihm schickte ich 2016 meine Entwürfe zum 20-Synthesizer. Die Idee, die ich ihm eigentlich nahebringen wollte, war es, ein bestehendes Instrument aus dem Roland Portfolio in ähnlicher Weise zu verpacken. Ich denke, es lag auch an der in 2016 etwas diffusen Lage am Synthesizer-Markt, dass ein Interesse an einer Zusammenarbeit seitens Roland bestand.

Als erstes gemeinsames Projekt durfte ich Entwürfe für die AX-Edge Keytar ausarbeiten. Dann folgte ein großes Projekt. Es war mir nicht wirklich bewusst, dass ich mit den ersten Design-Konzepten die neue Form der erfolgreichen Fantom-Serie zeichnete.

Die von Roland vorgegebenen Spezifikationen sahen neben den typischen Komponenten einer multi-timbralen Workstation eine nahezu voll ausgebaute Synthesizer-Einheit für den direkten Zugriff auf dem Panel vor. Als Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb sollte dieser Bereich einen besonderen Akzent erhalten. Ich orientierte mich bei der Gestaltung am klassischen Roland-Design aus den 70er-Jahren, integrierte Position und Machart der Regler und Taster allerdings in die Gesamt-Struktur des Instrumentes. Es war mir wichtig, das Panel durch streng kongruente horizontale und vertikale Ausrichtung der Bedienelemente untereinander weitestgehend zu beruhigen.

Die Gehäuse-Proportionen verleihen den 61 und 76 Tasten-Varianten ein flaches, modernes Erscheinungsbild. Um dieses auch für die deutlich höher bauende 88 Tasten Variante zu erhalten, wurden die seitlichen Gehäuseblenden in mehreren Schritten subtil ausgeformt. Ein durchgehendes rotes Akzent-Band auf der Rückseite des Gehäuses sorgt für eine auffällige Bühnenpräsenz.

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