Luca Anzilottis Schmidt

Im Januar 2010 kontaktierte mich der deutsche Moog-Vertriebspartner Stephan Hund mit einem unerwarteten Anliegen. Seit mehreren Jahren unterstützte er einen gewissen Herrn Schmidt bei einem Groß-Synthesizer-Projekt. Herr Schmidt war mir namentlich als Entwickler der MB33 für MAM bekannt, einem Roland TB 303 Clone mit wirklich fettem Sound. Der Synthesizer wäre eigentlich gerade zu Ende entwickelt - nur ein passendes Gehäuse fehle.

Wenige Tage später waren Stephan Hund und ich gemeinsam auf dem Weg nach Nürnberg, um Herrn Schmidt zu besuchen. In einer eher genügsamen Wohnung präsentierte dieser uns in seiner typisch bescheidenen Art die Früchte einer jahrelangen, exzessive akribischen Entwicklungsarbeit. Auf zwei über Eck stehenden Schreibtischen verteilt, befand sich ein unfassbar komplex anmutendes Platinen-Ensemble. Alles war komplett bestückt und mit Strom durchflutet. Eine der Platinen, unschwer als Outboard zu identifizieren, war mit einem Lautsprecher-System verbunden. Und daraus tönte ein mächtiges, jedoch gar nicht analog-typisches, Klanggeflecht. Denn Herr Schmidt - so sagte er - möge eigentlich gar nicht so sehr diese undefinierten, breiigen Analog-Sounds. Er stehe eher auf Digitales. Dies sei interessanter, vielschichtiger, moderner und nicht so von gestern. Aber er habe seinen Synthesizer so ausgelegt, dass dieser durchaus in der Lage sei, digital anmutende Klänge glaubhaft zu erzeugen (was stimmte).

Man ging zum Chinesen - erst einmal etwas essen.

Ein solcher Groß-Synthesizer sollte auf jeden Fall adäquat verpackt werden. Uns schwebte ein Fairlight-ähnlicher Ansatz vor: Die Klangerzeugung sollte in einem wie auch immer gearteten Rack untergebracht werden. Selbstverständlich erweiterbar. Daneben eine frei wählbare Keyboard-Tastatur aus dem Hause Fatar. Durchaus - und für den, der möchte - auch eine gewichtete 88 Tasten-Piano-Variante plus ein ultra-schlankes via LAN verbundenes Remote-Bedienfeld. Das war der Plan. Für später. Zu komplex. Im Moment. Erst einmal sollte das, was da war, also alle Platinen auf den beiden Tischen, möglichst schnell, einfach und günstig, vielleicht auch optisch ansprechend und als Analog-Synthesizer erkennbar, verpackt werden. Also doch oldschool dachte ich.

Als Tastatur wählten wir die höchstwertige Synthesizer-Variante aus dem Fatar-Katalog. Diese baut vergleichsweise hoch, was kein Problem darstellte, denn aufgrund der üppig dimensionierten Voice-Boards brauchten wir ohnehin sehr viel Platz im Gehäuse. Ach ja - und so ein Minimoog-artiges Klapp-Panel wäre auch toll. Und viel Holz.

Der Schmidt 8-Voice ist in allen Belangen ein wuchtiges Instrument. Den Versuch, dies designtechnisch zu verbergen, starten wir erst gar nicht. Die Gestaltung ist in allen Belangen großzügig und setzt auf den in der Analog-Synthesizer-Welt bekannten Kontrast aus üppig verbauten Echtholz Elementen und anthrazit gehaltenen Bedien-Flächen. Stephan Schmidt hatte schon vor unserem Einsatz alle Positionen der Bedienelemente auf dem Panel gesetzt. Die überaus sachliche Produktgrafik nimmt seine vorgegebenen waagrechten und senkrechten Mitten für Regler und Schalter auf. Die Module werden mit schlichten Linien eingegrenzt und einer deutlichen Beschriftung versehen. Der Clou - und das sicher meist genutzte Feature am Schmidt - ist die stufenlose Überblendung durch alle Regenbogenfarben für alles, was an dem Gerät leuchtet. Man sollte denken, dass dieser Effekt möglicherweise etwas baumarktmäßig/cheesiges hat. Hat er aber nicht - ganz im Gegenteil.

Und - vielleicht ruft Stephan Hund ja auch irgendwann wieder an - und wir machen ihn dann richtig, den Schmidt. Also so, wie der ursprüngliche Plan war... vielleicht...

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